Artikel mit Tag verkehrsklima
Montag, 16. März 2009
Aus der LVZ vom Samstag: Neun Personen kamen im Vorjahr auf Leipzigs Straßen bei 14 700 Verkehrsunfällen ums Leben, 2200 wurden zum Teil schwer verletzt. Diese Bilanz zog Polizeihauptkommissar Mario Gödt auf der Jahreshauptversammlung der Messestadt Verkehrswacht. Damit gab es zwar 2008 mit neun Todesopfern die geringste Anzahl im zurückliegenden Jahrzehnt, doch das seien eben immer noch neun zu viel gewesen, erklärt Gödt.
1999 verunglückten noch 23 Verkehrsteilnehmer in Leipzig tödlich, in den Jahren 2000 und 2001 jeweils 22 Männer und Frauen.
Besorgniserregend habe sich das Verhalten der Radfahrer entwickelt. „Sie waren allein an 1165 Unfällen beteiligt und verursachten 56,5 Prozent davon selbst“, so der Polizeihauptkommissar. Komisch, vor fast genau einem Jahr habe ich einen ähnlichen Artikel schon einmal zerpflückt. Dazugelernt hat seitdem anscheinend keiner der Beteiligten.
"Jedes Jahr aufs Neue: Radfahrer sind selbst schuld!" vollständig lesen
Montag, 10. November 2008
Der ADFC Leipzig will morgen ab 18 Uhr zusammen mit der Polizei auf ordentliche Beleuchtung am Fahrrad aufmerksam machen. Vor dem ADFC-Büro in der Grünewaldstraße sollen Radfahrer ohne Licht angehalten und auf die Straßenverkehrszulassungsordnung hingewiesen werden. Die Polizei will dabei keine Ordnungsgelder verhängen, sondern lediglich belehren.
Fehlendes Licht ist nur selten eine Unfallursache, aber gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern mindestens unhöflich, weil es für erschreckende Schrecksekunden sorgen kann. Der Leipziger ADFC-Vorsitzende Ulrich Patzer begründet die Aktion deswegen auch damit, dass “Dunkelradler” durch “ihr gedankenloses Verhalten generell das Verkehrsklima verschlechtern”.
Bei Ermahnungen soll es im Übrigen nicht bleiben: ADFC-Aktive wollen über gute Lichtanlagen am Rad beraten und eine Selbsthilfewerkstatt wird kleinere Mängel auf Wunsch vor Ort beheben.
Freitag, 9. Mai 2008
... zum Thema Rüpel-Radler gibt es momentan im Forum der hiesigen Monopol-Lokalzeitung zu bewundern. Da wäre zum Beispiel der Thread über “die lieben Radfahrer”, den irgendjemand aus der verdienten Versenkung geholt hat. Allerdings musste auch der Faden über die autoarme Innenstadt dran glauben: Statt um die Frage, was Autos in der Innenstadt zu suchen haben, wird vornehmlich darüber diskutiert, was manche Radfahrer so falsch machen. Und das ohne tiefere Kenntnisse der Verkehrsregeln. Vielleicht mal ein bisschen Nachhilfe über die Verkehrsregeln in Fußgängerzonen: Wird durch Zusatzschild Fahrzeugverkehr zugelassen, so darf nur mit Schrittgeschwindigkeit gefahren werden. Die Fahrzeugführer dürfen Fußgänger weder gefährden noch behindern; wenn nötig, müssen sie warten. (§ 41 Abs. 5 StVO; Z. 242 & 243)
In Fußgängerzonen dürfen Radfahrer also nur dann fahren, wenn sie per Schild freigegeben sind. Das ist bei den meisten Fußgängerzonen in der Innenstadt der Fall, teilweise aber mit einer zeitlichen Begrenzung. Der zitierte Abschnitt der Straßenverkehrsordnung gilt auch für Radfahrer: Sie dürfen also nur mit Schrittgeschwindigkeit fahren und keinesfalls Fußgänger gefährden oder behindern. Wenn die Polizei wollte, könnte sie also ohne weiteres gegen Rüpel-Radler in Fußgängerzonen vorgehen. Ich habe allerdings den Eindruck, dass die entsprechende Regel selbst bei der Verkehrspolizei unbekannt ist (zumindest ist das mein Fazit aus dem ADFC-Dialog am 5. Februar).
Wie auch immer: Eigentlich ist das eine Scheindiskussion, bei der es mehr um persönliche Befindlichkeiten als um wirkliche Gefahren geht. Wo sind denn die vielen Unfälle, die rüpelhafte Radfahrer angeblich ständig verursachen? Weitaus mehr Unfälle passieren auf Radwegen… Damit will ich rasende Fußgängerzonen-Radfahrer nicht in Schutz nehmen — ich mag die auch nicht, weil ich mich ebenso erschrecke, wenn sie mit (zu wenig) Abstand mit (zu viel) Tempo an mir vorbeifahren. Wen das wirklich stört, der sollte sich bei der Polizei dafür einsetzen, dass die entsprechenden Radfahrer zur Verantwortung gezogen werden. Alle anderen Radfahrer sollten in Ruhe und Schrittgeschwindigkeit durch die innerstädtischen Fußgängerzonen fahren dürfen: Es geht darum, das Radfahren in Leipzig so attraktiv wie möglich zu machen. Eine gut erreich- und durchfahrbare Innenstadt gehört dazu.
Und wo ich gerade dabei bin: Die eigentlichen Störenfriede in der Innenstadt sind tatsächlich dieviele Autofahrer: Die parken, wo sie wollen, nur nicht in den Tiefgaragen. Die fahren schneller, als erlaubt (nämlich innerhalb des Rings 20 km/h!) und nehmen auf Radfahrer keine Rücksicht. Abgesehen davon, dass Autos stinken und unnötig viel Platz wegnehmen.
Warum ich das alles nicht ins LVZ-Forum schreibe? Ganz einfach: Weil ich keine Lust habe, mich dort extra anzumelden.
Mittwoch, 23. April 2008
Wie Autofahrer Radfahrer überholen, ist Forschungsgegenstand. Henrik Imhof berichtet in der Fahrradzukunft über eine Feldstudie in Berlin. Dabei sind drei Studenten die gleiche Strecke mit einem Messfahrrad abgefahren. Sie wollten prüfen, ob sich Geschlecht, das Tragen eines Fahrradhelmes oder das vermeintliche Vorhandensein eines Radweges auf die Überholabstände der Autofahrer auswirken.
Die Ergebnisse: - je weiblicher, desto mehr Abstand
- je mehr Helm, desto weniger Abstand (wobei bei einem der drei Testfahrer genau der umgekehrte Efffekt eintrat)
- je mehr Radweg, desto weniger Abstand
Vor allem den letzten Punkt nehme ich als Alltagsradfahrer auch immer wieder wahr: Einige Autofahrer scheinen erzieherische Strafmaßnahmen für nötig zu halten, sobald ein Radfahrer sich nicht so verhält, wie sie es für richtig halten. Henrik schreibt dazu: Die Autofahrer scheinen den Radfahrer nicht in ihrem Reich zu akzeptieren. Daher machen sie ihm dies durch weniger Überholabstand deutlich. Manchen reicht dieses Mittel jedoch nicht und sie werden deutlicher. Die Aufklärung der Autofahrer über ihr Fehldenken ist absolut wünschenswert. Dem kann ich mich nur anschließen. Vielleicht hilft’s ja:
Radfahrer haben grundsätzlich auf der Fahrbahn zu fahren (§ 2 Abs. 1 StVO). Nur wenn es einen benutzungspflichtigen Radweg gibt, müssen sie den benutzen (§ 2 Abs. 4 StVO). Benutzungspflichtig ist er dann, wenn er mit einem blauen Radwegschild (Zeichen 237, 240 oder 241 im Verkehrszeichenkatalog) gekennzeichnet ist — ein Fahrradsymbol auf dem Boden zählt nicht dazu! Doch selbst wenn so ein Schild vorhanden ist, kann es sein, dass der Radfahrer den Radweg nicht benutzen muss. Der Weg muss nämlich auch benutzbar und zumutbar sein. Unbenutzbar ist ein Radweg dann, wenn er nicht in die Richtung führt, in die man will, oder er von parkenden Autos oder anderen Hindernissen verstellt ist. Unzumutbar ist er z. B. dann, wenn er mit Glasscherben gespickt ist.
Um es kurz zu machen: Als Autofahrer muss man immer damit rechnen, dass ein Radfahrer auf der Fahrbahn fährt. Ob er das legal oder illegal macht, lässt sich aus der Perspektive hinter der Windschutzscheibe nicht einschätzen — und spielt deswegen keine Rolle. Beim Überholen ist ein ausreichender Sicherheitsabstand zu halten (§ 5 Abs. 4 Satz 2 StVO). Punkt. Basta. Immer.
Ach ja: Dieser Sicherheitsabstand sollte deutlich größer als ein Meter sein.
Dienstag, 11. März 2008
Günther Gießler hat in der gestrigen Ausgabe der LVZ erneut unter Beweis gestellt, dass er von Verkehrssicherheit und vor allem Unfallstatistik wenig Ahnung hat. Wirklich verwunderlich ist diese Unkenntnis nicht, liest man den folgenden Abschnitt des Artikels: Hauptkommissar Mario Gödt von der Polizeidirektion Leipzig kritisierte dabei das Fehlverhalten der Radler gleichermaßen wie jenes der Autoraser. So waren 2007 fast an jedem zwölften Unfall Radfahrer beteiligt. „Allein 650 mal als Opfer, etwa 500 mal verursachten sie die Kollisionen selbst“, so Gödt. 70 mal stießen Radfahrer mit Radfahrern zusammen. Für den Polizeihauptkommissar völlig unverständlich, dass in Leipzig der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) diese Unfälle aus der Statistik streichen wolle. Offensichtlich sei auch hier das Rechtsbewusstsein ungenügend ausgeprägt. Ein Polizeibeamter wirft dem ADFC also mangelndes Unrechtsbewusstsein vor, weil der Verein sich gegen eine bestimmte Interpretation der Unfallstatistik wehrt.
"Statistikverständnis ungenügend ausgeprägt" vollständig lesen
Donnerstag, 31. Januar 2008
Über die Leserbriefkampagne in der LVZ gegen Radfahrer und den ADFC hatte ich ja schon berichtet. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub Leipzig greift das Thema jetzt auf und lädt zum Dialog ein.
Am 5. Februar 2008 soll ab 18 Uhr im ADFC-Laden in der Grünewaldstraße 19 um Verkehrsverstöße von Rad- und Autofahrern, aber auch um die Vorraussetzungen für das Radfahren in Leipzig gehen. Der Leipziger ADFC-Vorsitzende Ulrich Patzer wird einen kurzen Vortrag dazu halten, danach darf unter der Moderation von Fritjof Mothes diskutiert werden. Alle Gäste sind herzlich willkommen, der Eintritt ist frei.
Aus gegebenem Anlass ein Aufruf an alle Autofahrer: Bitte halten Sie beim Überholen von Radfahrern einen angemessenen Seitenabstand von mindestens anderthalb Metern — Radfahrer können prinzipbedingt nur begrenzt eine gerade Spur halten. Sehen Sie bitte auch von “Erziehungsmaßnahmen” ab — wenn ein Radfahrer nicht ganz rechts am Fahrbahnrand oder auf einem (vorhandenen oder auch nicht vorhandenen) Radweg fährt, hat er dafür in den meisten Fällen gute Gründe. Sie sind weder Polizist noch Verkehrserzieher — Sie haben sich mit den Verkehrsteilnehmern zu arrangieren, die Sie vorfinden.
Der gegebene Anlass? Heute morgen war ich auf der Käthe-Kollwitz-Straße stadtauswärts unterwegs. Nach der Einmündung Ferdinand-Lassalle-Straße (auf der Brücke über die Elster) hupte es hinter mir zweimal. Dann überholte mich ein weißer Kleinbus mit einer Aufschrift des Zeitgeschichtlichen Forums mit deutlich weniger als einem Meter Abstand. Noch während das Auto neben mir war, lenkte der Fahrer nach rechts. Ich konnte mein Rad nur mit Mühe abfangen, sonst wäre ich gestürzt.
Unmutsäußerungen von Autofahrern durch Hupen bin ich an dieser Stelle gewohnt: Rechts neben der Fahrbahn ist ein Seitenstreifen, der allerdings kein benutzungspflichtiger Radstreifen ist. Dieser Streifen beginnt und endet mehr oder weniger mit der Brücke, so dass ich ihn nicht benutze — es würde mir nichts bringen, außer noch engere Überholmanöver und ein hohes Unfallrisiko beim Wiedereinfahren in die Fahrbahn.
Freitag, 18. Januar 2008
Günther Manhart aus Leipzig ist entsetzt: Der ADFC will, dass an Fußgängerzonen Hinweisschilder aufgestellt werden, dass Radfahrer vorsichtig fahren müssen. In einem Leserbrief an die LVZ schreibt er: Ich bin entsetzt darüber, wie ein Vorsitzender des Fahrrad-Clubs dafür kämpft, dass in Fußgängerzonen oder -bereichen mit der Zusatzbeschilderung „Bitte vorsichtig fahren – Fußgänger haben Vorrang!“ den Fahrbetrieb seiner Klientel weiterhin ermöglichen will. Die Vorschriftszeichen der Straßenverkehrsordnung und deren Textbedeutung sind ja mit Sicherheit auch für Vorsitzende in „Blindenschrift“ und leicht begreifbar nachzulesen! Nochmal für Herrn Patzer: „Diese Bereiche sind den Fußgängern vorbehalten!“ Hoffentlich fängt das Ordnungsamt nicht auch noch Verhandlungen mit solchen Querflöten an. Günther Manhart hat anscheinend das Lesen gleich nach dem von ihm zitierten Satz aufgegeben. Zwei Sätze weiter wird nämlich ausgeführt, dass durch ein Zusatzschild Fahrzeugverkehr zugelassen werden darf. Der muss dann aber Schrittgeschwindigkeit fahren und darf Fußgänger weder gefährden noch behindern. Die meisten Fußgängerzonen der Innenstadt sind mit solchen Zusatzschildern für Radfahrer freigegeben, nur bei einigen Zonen gibt es zeitliche Einschränkungen.
Die Hinweisschilder zum Vorrang von Fußgängern geben demnach nur die Textform der Straßenverkehrsordnung wieder – der ADFC versucht also, “seine Klientel” an die Verkehrsregeln zu erinnern. Genau das ist es doch, was derzeit in zahlreichen Leserbriefen in der LVZ gefordert wird…
Die “Radfahrer-sind-Rüpel”-Kampagne hat jetzt anscheinend auch die Polizei geweckt. Aus dem Pressebericht von Vorgestern: Dreizehn Beamte des Polizeireviers Süd kontrollierten am 15.01.2008 in der Zeit von 06:30 – 08:00 Uhr Fahrradfahrer. Sie überprüften an den Kreuzungen , Karl-Liebknecht-Straße/Richard-Lehmann-Str., Richard-Lehmann-Str./Zwickauer Straße sowie auf der August-Bebel-Straße insgesamt 78 Pedalritter. Bei den Kontrollen erhoben sie in drei Fällen Verwarngelder vor Ort, fertigten fünf Ordnungswidrigkeitenanzeigen und 16 Mängelscheine. Die Kontrollen werden aufgrund auch in Zukunft durchgeführt. Weil sich der Informationsgehalt dieser Zeilen in Grenzen hält, habe ich nachgefragt, welche Ordnungswidrigkeiten denn bemängelt worden. Es war in allen Fällen die Beleuchtung, die nicht den Vorschriften entsprach. Aus Gründen der Verkehrssicherheit werde man auch in Zukunft in verschiedenen Stadtteilen auf diese Weise Radfahrer kontrollieren.
Das fehlendes Licht bei Unfällen mit Radfahrerbeteiligung nur eine untergeordnete Rolle spielt, scheint bei der Leipziger Polizei noch nicht angekommen zu sein. Viel wichtiger wäre es, den Leipzigern das Gehweg- und Geisterradeln abzugewöhnen.
Donnerstag, 10. Januar 2008
Über die Leserbriefe in der LVZ zum Thema rüpelhafte Radfahrer hatte ich ja schon berichtet. Heute wurde das Thema erneut redaktionell aufgegriffen. Andreas Tappert fabuliert über die Idee, eine Kennzeichenpflicht für Fahrräder einzuführen (der Artikel ist leider online nicht frei zugänglich). Die hätten “Leipziger” gefordert; zwei von ihnen werden auch gleich zitiert. Nummernschilder seien nötig, weil Radfahrer nur deswegen rüpelhaft sind, weil sie eh nicht erwischt werden können.
Mir nötigt das nur ein gequältes Lächeln ab — wenn Kennzeichen wirklich Verkehrsverstöße verhindern würden, gebe es keine Falschparker, keine Temposünder, keine unfallflüchtigen Autofahrer, ...
"Radfahrer im Visier: Kennzeichenpflicht jetzt!" vollständig lesen
Donnerstag, 3. Januar 2008
Vor inzwischen einigen Wochen gab es in der Leipziger Volkszeitung einen Bericht über den Radstreifen in der Richard-Lehmann-Straße. Der ist in Höhe der Post regelmäßig zugeparkt. Der Leipziger ADFC-Vorsitzende Ulrich Patzer forderte deswegen, dort auch mal Autos abzuschleppen, um das Halteverbot auf dem Radfahrstreifen durchzusetzen. Diese Aussage ist für den üblichen Leipziger Autofahrer anscheinend unerträglich.
In Leserbriefen werden seitdem Ulrich Patzer im Speziellen und Radfahrer im Allgemeinen angegriffen. Der grundsätzliche Tenor: Radfahrer halten sich so gut wie nie an Verkehrsregeln, sie fahren auf Gehwegen, ohne Licht, biegen ohne Handzeichen ab und sind sowieso rücksichtslos. Bevor er sich über Autofahrer beschwert und das Abschleppen von falsch geparkten Autos fordert, soll Ulrich Patzer doch lieber bei “seiner Klientel” für Ordnung sorgen.
"Radfahrer als Sündenböcke (Update)" vollständig lesen
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