Artikel mit Tag radstreifen
Montag, 12. Oktober 2009
Die Erkenntnis, dass Hochbordradwege für Radfahrer keinen Sicherheitsgewinn, sondern größere Gefahren bieten, hat sich inzwischen auch im ADFC weitgehend durchgesetzt. Als zu bevorzugende Alternative werden stattdessen Radstreifen propagiert, also auf der Fahrbahn abmarkierte Streifen, die dem Radverkehr vorbehalten sind. Die Einrichtung dieser benutzungspflichtigen Sonderwege wird von ADFC-Vertretern immer wieder gefordert und gefeiert.
Höchste Zeit, die Argumente für Radstreifen zu prüfen.
"Radstreifen -- die besseren Radwege?" vollständig lesen
Dienstag, 6. Oktober 2009
Aus dem gestrigen Polizeibericht: Schwerer Unfall
Eine 22-jährige Radfahrerin wurde heute gegen 08.35 Uhr im Kreuzungsbereich Käthe-Kollwitz-Straße/Friedrich-Ebert-Straße im Zentrum Leipzig von einem 26–jährigen LKW-Fahrer erfasst und schwerstverletzt. Der LKW-Fahrer fuhr in stadtwärtige Richtung auf dem rechten Fahrstreifen, um nach freigegebener Ampelschaltung rechts abzubiegen. Neben ihm hat vermutlich die 22-Jährige gestanden, in der Absicht, die Käthe-Kollwitz-Straße geradeaus in stadtwärtige Richtung zu befahren. Während der 26-Jährige rechts abbog, übersah er offenbar die Radlerin, welche zu Fall kam, vom LKW erfasst und schwer verletzt wurde. Der Kreuzungsbereich musste für längere Zeit gesperrt werden. Rettungskräfte bemühten sich um die junge Frau, die sofort in eine Klinik eingeliefert wurde. Auch der LKW-Fahrer musste mit einem schweren Schock in eine Klinik verbracht werden. Zum Unfallhergang dauern die Ermittlungen noch an. In diesem Zusammenhang bittet die Verkehrspolizei um Mithilfe.
Zeugen, die Angaben zum Unfallhergang, insbesondere zur Ampelschaltung und der Situation kurz vor dem Unfall, machen können, werden gebeten, sich bei der VPI Leipzig, Hans-Driesch-Straße 01 in 04179 Leipzig, Tel. (0341) 4483 835, zu melden. (FiA)
Was leider in den entsprechenden Unfallmeldungen nie thematisiert wird, ist die Frage, wie die Radfahrer überhaupt in den toten Winkel gelangen konnten: Auf Radstreifen und -wegen sind solche Abbiegeunfälle vorprogrammiert, weil geradeausfahrende Radfahrer rechts neben rechtsabbiegenden Kraftfahrzeugen geführt werden – so auch in der Käthe-Kollwitz-Straße an der betreffenden Kreuzung.
Leider hat diese Nicht-Thematisierung auch zur Folge, dass das Problem nur symptomatisch behandelt wird: Für LKW werden Zusatzspiegel gefordert, die auch der beste und erfahrenste Fahrzeugführer gar nicht alle auf einmal überblicken kann (und die die Sicht nach vorne einschränken). Die Forderung, Rechtsabbieger nicht links neben Geradeausfahrer zu lassen, ist nirgends zu lesen, obwohl sie das Problem viel nachhaltiger beseitigen würde.
Dazu passt auch, dass die Gefahren von Radverkehrsanlagen weitgehend unbekannt sind. Dabei haben Radfahrer auf Hochbord-Radwegen ein bis zu zwölfaches Unfallrisiko im Vergleich zum Fahren auf der Fahrbahn. Für Radstreifen fehlen (noch) vergleichbare Untersuchungen, sie sind allerdings deutlich sicherer als “normale” Radwege. Ob sie das Sicherheitsniveau der Fahrbahn erreichen, wage ich aber angesichts solcher Unfälle wie dem beschriebenen zu bezweifeln.
Bleibt zu hoffen, dass sich die Radfahrerin schnell erholt.
Ach ja: Die LVZ berichtet heute auch auf der lokalen Titelseite. Außerdem hat es gestern wohl einen weiteren Unfall mit Radfahrerbeteiligung gegeben: Ein 68-Jähriger war wohl auf dem Radweg in der Brandenburger Straße in die falsche Richtung unterwegs und wurde dann an der Kreuzung Lagerhofstraße von einem Renaultfahrer erfasst. Der Radfahrer wurde schwer, aber nicht lebensbedrohlich verletzt und in ein Krankenhaus gebracht. Zwölfaches Unfallrisiko, sage ich nur – das trifft nämlich für das linksseitige Fahren auf Hochbordradwegen zu.
Donnerstag, 10. September 2009
…denn sie verleiten und/oder zwingen Radfahrer dazu, viel zu nah an haltenden Autos vorbeizufahren. Warum das gefährlich ist? Deswegen z. B.: Beim Aussteigen Kopf nicht vergessen
Die beiden folgenden Fälle verdeutlichen, dass es für Autofahrer besonders wichtig ist, vor dem Öffnen der Fahrzeugtür auf Radfahrer zu achten.
Am Dienstagabend befuhr ein Radfahrer (29) den Radweg der Karl-Liebknecht-Straße in Richtung Innenstadt. Plötzlich öffnete eine 22-Jährige die Tür ihres Fords, um auszusteigen. Der Radfahrer konnte nicht rechtzeitig reagieren, prallte gegen die Tür und verletzte sich dabei leicht. Die Tür wurde beschädigt.
Ein ähnlicher Unfall ereignete sich gestern Vormittag, gegen 10.00 Uhr, auf der Arno-Nitzsche-Straße bei dem sich ein Rentner (72) am Oberkörper leicht verletzte. Der Mann befuhr mit seinem Drahtesel den Radweg in östliche Richtung. Zur gleichen Zeit hielt ein Volvo am Straßenrand, aus dem ein 50-Jähriger auf der Beifahrerseite ausstieg. Auch in diesem Fall war ein Zusammenstoß unvermeidbar.
Sowohl gegen die 22-jährige Ford-Fahrerin als auch gegen den 50-jährigen Beifahrer ergehen Ordnungswidrigkeitsanzeigen wegen Missachtung der Sorgfaltsplicht beim Aussteigen sowie Strafverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung. (DaK)
Quelle: Pressemeldung der PD Leipzig Einen Meter Abstand sollte man als Radfahrer mindestens zu parkenden Autos halten (Autotüren sind meist noch breiter als einen Meter, aber so hat man wenigstens ansatzweise die Chance, zu reagieren). Radwege und -streifen – wie in der Liebknechtstraße – machen das oft unmöglich, weil sie viel näher an Parkstreifen geführt werden.
Dienstag, 21. Oktober 2008
Wieder keine positiven Nachrichten, nur weitere Beispiele dafür, dass Radfahrer neben der Fahrbahn nicht oder zu spät wahrgenommen werden.
Fall 1: Radfahrerin auf Radweg übersehen, Kollision und Unfallflucht: Fahrerflucht nach Verkehrsunfall
Am gestrigen Tag, dem 20.10.2008 gegen 09:10 Uhr, befuhr eine 21-jährige Radfahrerin in Leipzig-Möckern den Radweg der Slevogtstraße in stadteinwärtiger Richtung und hatte die Absicht, die Diderotstraße zu überqueren. Zeitgleich befuhr ein Pkw die Diderotstraße und bog nach links in die Slevogtstraße ab. Dabei bislang unbekannter übersah die Fahrerin des Pkw offensichtlich die Radfahrerin, so dass es zum Zusammenstoß zwischen beiden kam, wobei die Geschädigte über die Motorhaube des Pkw auf die Straße fiel. Sie erlitt leichte Verletzungen, welche vor Ort ambulant behandelt werden konnten. Die Fahrerin des Pkw hingegen dachte offensichtlich nicht daran, sich um die verletzte Radfahrerin zu kümmern sowie ihren weiteren Pflichten nachzukommen und entfernte sich vom Unfallort.
Die Polizei sucht nun Zeugen zum Unfall. Diese wenden sich bitte an die VPI Leipzig, Hans-Driesch-Straße 1 in 04179 Leipzig, Telefon (0341) 4483 835. (Schm)
(Quelle: Pressemitteilung der Polizeidirektion Leipzig)
Fall 2: Radfahrerin auf Radstreifen übersehen, Kollision und Unfallflucht: Vom Unfallort unerlaubt entfernt …
… hatte sich am 16.10.2008, gegen 20:30 Uhr, der Fahrer eines Lkw mit Anhänger. Dieser befuhr die Richard-Lehmann-Straße im Leipziger Süden stadteinwärts und hatte die Absicht, nach rechts in die Karl-Liebknecht-Straße abzubiegen. Dort beachtete er offenbar eine Radfahrerin (31) nicht, die auf dem Radweg Richard-Lehmann-Straße fuhr und die Karl-Liebknecht-Straße überqueren wollte. Es kam zum Zusammenprall – die Frau stürzte und verletzte sich. Der Lkw-Fahrer dachte jedoch nicht daran, seinen ureigensten Pflichten nachzukommen, sondern fuhr einfach weiter. Die 31-jährige Leipzigerin musste ärztlich versorgt werden. Am Fahrrad entstand Schaden in Höhe von etwa 100 Euro.
Die Polizei bittet Zeugen, die Angaben zum Verkehrsunfall, besonders aber zum Fahrverhalten der Radfahrerin und des Lkw-Fahrers, machen können, sich bei der Verkehrsunfallaufnahme in der Hans-Driesch-Straße 1, Telefon (0341) 4 48 36 10 zu melden. (Hö)
(Quelle: Pressemitteilung der Polizeidirektion Leipzig) (Die Polizei hat wie üblich leichte Probleme mit der Unterscheidung zwischen Radwegen und Radstreifen. Ist ja aber auch kompliziert und wird in der Unfallstatistik meines Wissens nach auch nicht unterschieden.)
Ich kann’s nicht oft genug wiederholen: Radwege und -streifen sind an Kreuzungen lebensgefährlich.
Donnerstag, 28. August 2008
Ich hätte nicht gedacht, schon so bald wieder über einen Abbiegeunfall an einem Radstreifen berichten zu müssen. Aus dem heutigen Polizeibericht: Radlerin im Krankenhaus
Mit schweren Verletzungen nach einem Verkehrsunfall mit einem Pkw liegt jetzt eine Leipzigerin (54) in einem Krankenhaus. Die Frau fuhr gestern Nachmittag, gegen 15:30 Uhr, auf dem Täubchenweg stadtauswärts. Der Fahrer (28) eines Pkw Ford war in gleicher Richtung unterwegs, wollte jedoch nach rechts in die Kippenbergstraße abbiegen. Er übersah dabei die Fahrradfahrerin und touchierte mit ihr seitlich. Die Frau stürzte, erlitt so ein Schädelhirntrauma und mehrere Prellungen. An den Fahrzeugen entstand Schaden in Höhe von etwa 1.000 Euro. Gegen den Fordfahrer wird nun wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt. (Hö) Radstreifen sind nun mal in den meisten Fällen kein brauchbarer Ersatz für die noch gefährlicheren Hochbord-Radwege. Die Unfallstelle am Täubchenweg Ecke Kippenbergstraße ist sogar eine besondere Falle: Der Radstreifen hört stadtauswärts nämlich genau an der Kreuzung auf. Damit fehlt eine Furtmarkierung, die Autofahrern wenigstens einen kleinen Hinweis liefern könnte, dass rechts neben ihnen noch etwas sein könnte.
Ein anderes Thema, auch dem heutigen Polizeibericht entnommen: Gar keinen Respekt zeigte ein unbekannter Radfahrer: Radler geflüchtet, Beamter verletzt
Am 27.08.2008 bemerkte ein Polizeibeamter (37) der Verkehrspolizei gegen 21:00 Uhr einen Fahrradfahrer, der ohne Licht unterwegs war. Er stoppte den Mann auf der E.Grieg/Anton-Bruckner-Allee, Leipzig-Mitte. Doch der Radler versuchte sofort, sich seiner Kontrolle durch Flucht zu entziehen. Dabei fuhr er den Beamten an und verletzte ihn am rechten Bein. Der 37-Jährige musste ärztlich versorgt werden. Die Ermittlungen dazu laufen. (Hö) Mir fehlen die Worte.
Freitag, 25. Juli 2008
Dass Hochbordradwege gefährlich sind, ist inzwischen selbst beim ADFC und den meisten Verkehrswissenschaftlern unumstritten. Als Lösung werden oft Radstreifen propagiert, weil die näher an der Fahrbahn sind und Radfahrer auf ihnen besser wahrgenommen werden. Aber auch auf diesen Streifen werden Radfahrer an den Rand der Wahrnehmung gedrängt. Beispiel gefällig? Geburtstagsfeier wird wohl verlegt
Die junge Leipzigerin (21) lenkte ihren Daihatsu Charade gestern Nachmittag (gegen 17.00 Uhr) entlang der Karl-Liebknecht-Straße in Richtung Markkleeberg. An der Kreuzung mit der Richard-Lehmann-Straße bog sie nach links ab. Dabei übersah sie leider eine Radfahrerin, welche den stadteinwärtigen Radweg nutzte. Die Radlerin konnte weder ausweichen, noch rechtzeitig stoppen. Sie stieß gegen den vorderen rechten Kotflügel und stürzte – ausgerechnet an ihrem 50. Geburtstag. Ihre erlittenen Verletzungen (Schnittwunden am Kinn, Prellungen und Hautabschürfungen) machten eine stationäre Krankenhausaufnahme notwendig. Die 21-Jährige muss sich nunmehr wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten. (Loe)
(Quelle: Polizeidirektion Leipzig) “Radweg” ist leicht flasch, in der Liebknechtstraße gibt es “nur” Radstreifen.
Leider gibt es zur Verkehrssicherheit von Radstreifen kaum wissenschaftliche Untersuchungen. Belegt ist nur, dass die seitlichen Überholabstände der Autos zu den Radfahrern sinken. Das ist auch der Grund (neben ein paar anderen), weshalb ich solche Streifen gar nicht mag (Die meisten Radfahrer sehen das anders. Ich mag aber lieber echte statt gefühlte Sicherheit).
Ein fast ganz anderes Thema, auch aus dem gestrigen Polizeibericht: Bei Rot über eine Ampel zu fahren, ist selten eine wirklich gute Idee. Meist passiert nichts, aber manchmal: Wissen macht Au!
Am frühen Mittwochabend wurde eine weitere Radlerin (41) schwer verletzt, wobei sie den Unfall selbst verursachte. Die Frau befuhr den Radweg an der Adenauerallee in Richtung Paunsdorf und wollte gegen 19.00 die Volksgartenstraße queren. Wahrscheinlich kennt sie die Kreuzung und die dortigen Verkehrsverhältnisse gut, denn ihre Wohnung befindet sich nur wenige hundert Meter entfernt. Und weil „gestern auch keiner kam”, fuhr sie trotz roter Ampel weiter. Eine verhängnisvolle Entscheidung. An der Ampel hatte ausnahmsweise der Fahrer (66) eines Opel Vectra auf grünes Licht gewartet. Als es endlich aufleuchtete, fuhr er an und traf die 41-Jährige frontal. Mit Prellungen und Stauchungen musste sie anschließend in ein Krankenhaus verbracht werden. Glücklicherweise kam es zu keinen schlimmeren Folgen. Obwohl schuldlos, war der Opelfahrer sichtlich über den Unfall schockiert. Eine Zeugenvernehmung war daher nicht möglich.
Fazit: Beim Aufstellen der Ampelanlage hat jemand offenbar nachgedacht. (Loe)
Donnerstag, 28. Februar 2008
Aus den Pressemeldungen der Polizei von heute: Pkw gegen Fahrrad
Bei diesem Unfall, der gestern Abend, gegen 22:15 Uhr, passierte, ging es nicht so glimpflich für den Fahrradfahrer aus. Der Fahrer (28) eines Pkw Opel fuhr auf der Haydnstraße in Leipzig-Mitte stadtauswärts. Beim Rechtsabbiegen auf die Karl-Tauchnitz-Straße übersah er offenbar einen Mountainbiker (34), der dort auf dem Radweg unterwegs war. Der Radler stürzte und erlitt dabei einen Schlüsselbeinbruch. Drei Zeugen sahen den Crash und riefen die Polizei. Der Opelfahrer muss sich nun wegen fahrlässiger Körperverletzung in Verbindung mit einem Verkehrsunfall verantworten. (Hö) “Radweg” führt an dieser Stelle in die Irre, tatsächlich ist im betroffenen Abschnitt der Karl-Tauchnitz-Straße ein (benutzungspflichtiger) Radstreifen markiert. Damit wird deutlich, dass auch Radstreifen gegenüber dem eigentlichen Normalfall — Mischverkehr auf der Fahrbahn — Sicherheitsdefizite aufweisen. Radfahrer sind zwar nicht so weit aus dem Blickfeld der Autofahrer wie auf Hochbord-Radwegen, aber sie sind soweit am Rand, dass sie trotzdem leicht übersehen werden. Das Resultat ist in diesem Fall schmerzhaft, deswegen wünsche ich dem betroffenen Radfahrer eine gute und schnelle Besserung.
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