Artikel mit Tag presseschau
Dienstag, 6. Oktober 2009
Aus dem gestrigen Polizeibericht: Schwerer Unfall
Eine 22-jährige Radfahrerin wurde heute gegen 08.35 Uhr im Kreuzungsbereich Käthe-Kollwitz-Straße/Friedrich-Ebert-Straße im Zentrum Leipzig von einem 26–jährigen LKW-Fahrer erfasst und schwerstverletzt. Der LKW-Fahrer fuhr in stadtwärtige Richtung auf dem rechten Fahrstreifen, um nach freigegebener Ampelschaltung rechts abzubiegen. Neben ihm hat vermutlich die 22-Jährige gestanden, in der Absicht, die Käthe-Kollwitz-Straße geradeaus in stadtwärtige Richtung zu befahren. Während der 26-Jährige rechts abbog, übersah er offenbar die Radlerin, welche zu Fall kam, vom LKW erfasst und schwer verletzt wurde. Der Kreuzungsbereich musste für längere Zeit gesperrt werden. Rettungskräfte bemühten sich um die junge Frau, die sofort in eine Klinik eingeliefert wurde. Auch der LKW-Fahrer musste mit einem schweren Schock in eine Klinik verbracht werden. Zum Unfallhergang dauern die Ermittlungen noch an. In diesem Zusammenhang bittet die Verkehrspolizei um Mithilfe.
Zeugen, die Angaben zum Unfallhergang, insbesondere zur Ampelschaltung und der Situation kurz vor dem Unfall, machen können, werden gebeten, sich bei der VPI Leipzig, Hans-Driesch-Straße 01 in 04179 Leipzig, Tel. (0341) 4483 835, zu melden. (FiA)
Was leider in den entsprechenden Unfallmeldungen nie thematisiert wird, ist die Frage, wie die Radfahrer überhaupt in den toten Winkel gelangen konnten: Auf Radstreifen und -wegen sind solche Abbiegeunfälle vorprogrammiert, weil geradeausfahrende Radfahrer rechts neben rechtsabbiegenden Kraftfahrzeugen geführt werden – so auch in der Käthe-Kollwitz-Straße an der betreffenden Kreuzung.
Leider hat diese Nicht-Thematisierung auch zur Folge, dass das Problem nur symptomatisch behandelt wird: Für LKW werden Zusatzspiegel gefordert, die auch der beste und erfahrenste Fahrzeugführer gar nicht alle auf einmal überblicken kann (und die die Sicht nach vorne einschränken). Die Forderung, Rechtsabbieger nicht links neben Geradeausfahrer zu lassen, ist nirgends zu lesen, obwohl sie das Problem viel nachhaltiger beseitigen würde.
Dazu passt auch, dass die Gefahren von Radverkehrsanlagen weitgehend unbekannt sind. Dabei haben Radfahrer auf Hochbord-Radwegen ein bis zu zwölfaches Unfallrisiko im Vergleich zum Fahren auf der Fahrbahn. Für Radstreifen fehlen (noch) vergleichbare Untersuchungen, sie sind allerdings deutlich sicherer als “normale” Radwege. Ob sie das Sicherheitsniveau der Fahrbahn erreichen, wage ich aber angesichts solcher Unfälle wie dem beschriebenen zu bezweifeln.
Bleibt zu hoffen, dass sich die Radfahrerin schnell erholt.
Ach ja: Die LVZ berichtet heute auch auf der lokalen Titelseite. Außerdem hat es gestern wohl einen weiteren Unfall mit Radfahrerbeteiligung gegeben: Ein 68-Jähriger war wohl auf dem Radweg in der Brandenburger Straße in die falsche Richtung unterwegs und wurde dann an der Kreuzung Lagerhofstraße von einem Renaultfahrer erfasst. Der Radfahrer wurde schwer, aber nicht lebensbedrohlich verletzt und in ein Krankenhaus gebracht. Zwölfaches Unfallrisiko, sage ich nur – das trifft nämlich für das linksseitige Fahren auf Hochbordradwegen zu.
Donnerstag, 10. September 2009
Die Stadt hat die ersten Ergebnisse der Verkehrsstudie “SrV 2008” für Leipzig vorgestellt. Demnach liegt der Radverkehrsanteil in Leipzig bei 14,4 Prozent – vor fünf Jahren lag er noch zwei Prozentpunkte darunter. Deutlicher ist der Rückgang des Autoverkehrs: Sein Anteil sank von 44,0 auf 39,5 Prozent. Erstmal seit der Wende stieg auch wieder der Anteil der Wege, die zu Fuß oder mit Bus und Bahn zurückgelegt wurden. Der Umweltverbund scheint also auf dem Vormarsch – ein gutes Zeichen in Richtung lebenswerte(re) Stadt.
Hauptgrund für diese Entwicklung ist die Re-Urbanisierung, berichtet die L-IZ, also dass immer mehr Menschen ins Stadtzentrum und nicht auf die grüne Wiese ziehen. Das macht einen Verzicht aufs Auto leichter, weil sich viele Wege sowieso schneller ohne erledigen lassen. Sicher dürften auch die gestiegenen Benzinpreise eine gewisse Rolle gespielt haben.
Ein “weiter so” in der Verkehrspolitik der Stadt wäre aber dennoch fatal: Sie setzt noch immer viel zu sehr auf große Straßenneu- und ausbauten. Damit wird aber eher die Attraktivität des motorisierten Verkehrs gesteigert. Auch die Forderung nach mehr Radwegen ist kontraproduktiv, denn auch sie beschleunigen den Kfz-Verkehr und bürden Radfahrern zusätzliche Gefahren auf. Der Radverkehrsanteil lässt sich mit Öffentlichkeitsarbeit viel effektiver steigern.
Mittwoch, 29. Juli 2009
Mindestens ein Verkehrsverstoß zu viel: Radfahrer nach Kollision mit Straßenbahn schwer verletzt
Ein Fahrradfahrer (59) befuhr am gestrigen Vormittag um 11.18 Uhr den kombinierten Rad-/ Fußweg der Permoserstraße auf der falschen Fahrbahnseite stadteinwärts. Beim Überqueren der Straßenbahnschienen der Heiterblickallee missachtete er das für ihn geltende Rotlicht der Ampelanlage. Beim anschließenden Zusammenstoß mit einer in südliche Richtung fahrenden Straßenbahn erlitt der Radfahrer schwere Kopfverletzungen und wurde in der Folge ins Krankenhaus verbracht. Der unter Schock stehende Fahrer der Bahn wurde ebenfalls im Klinikum behandelt. Am Fahrrad des Leipzigers und an der Straßenbahn entstand ein Sachschaden. Die Permoserstraße war für etwa 2 Stunden gesperrt. (DaK)
(Quelle: Polizeidirektion Leipzig)
Ach ja: Habe ich schon erwähnt, dass Radwege gefährlich sind? Wenn nicht, ein Beispiel aus dem heutigen Polizeibericht (aus dem auch die obige Meldung stammt): Kleine Ursache, große Wirkung
Eine 50-jährige Leipzigerin fuhr am Morgen des 28.07.2009 verkehrsgerecht mit ihrem Fahrrad auf dem Radweg vor dem Hauptbahnhof in östliche Richtung. Bei der Vorbeifahrt an einem im Halteverbot stehenden PKW BMW kam es zum Kontakt mit einer Passantin, die erst in Richtung Bahnhof lief und dann plötzlich zum Fahrzeug zurücklief. Ausgelöst durch die leichte Berührung mit der Fußgängerin kam die Radfahrerin zu Fall und beschädigte mit dem Lenker ihres Damenrades den ordnungswidrig haltenden BMW. Die Leipzigerin zog sich beim Sturz leichte Verletzungen zu. Am Fahrzeug entstand ein Sachschaden von 1.000 Euro. (Schm) Radwege werden von anderen Verkehrsteilnehmern regelmäßig nicht als solche wahrgenommen oder ignoriert. Das kann dann – wie hier – schnell zu Unfällen führen. Auf der Fahrbahn passiert sowas deutlich seltener.
&ellip; titelt die LVZ heute in ihrer Leipziger Lokalausgabe und meint Radfahrer in den großen Fußgängerzonen der Innenstadt. Die Zeitung habe in Stichproben festgestellt, dass sich etwa ein Drittel der Radfahrer nicht an das zeitweise Fahrverbot hält. Autor Jens Rometsch fällt außerdem auf, was er schon lange hätte wissen können: Nur die Polizei darf Fahrradfahrer anhalten – und die hat daran nur wenig Interesse: Ordnungshüter mit der Lizenz zum Bestrafen sind aber nur in eher kleiner Zahl unterwegs: Ein Bürgerpolizist sowie mindestens zwei Revierbeamte auf Fußstreife sollen das Radfahrverbot durchsetzen. “Das bedeutet täglich mindestens 30 Minuten gezielte Kontrollen”, so Kapferer [Pressesprecher der Polizei]. Dass die Polizei kaum Personal für Kontrollen einsetzen möchte, war schon vor dem Stadtratsbeschluss im vergangenen Jahr klar. Sie hat das unter anderem damit begründet, dass Radfahrer in der Innenstadt kaum Unfälle verursachen.
Darf ich daraus schon jetzt die Schlussfolgerung ziehen, dass ich mit meiner Vorhersage, das Verbot werde kaum etwas ändern, Recht gehabt habe? Mit weniger Konfrontation und mehr Miteinander hätte sich vielleicht mehr erreichen lassen.
Ach ja: Ein paar Merkwürdigkeiten habe ich noch: So ganz verstanden hat Jens Rometsch dass mit dem fließenden Verkehr und wer ihn kontrollieren darf, anscheinend doch noch nicht. In einem Kommentar schreibt er: Völlig unverständlich bleibt zudem, weshalb Leipzigs Ordnungshüter nicht jenen Rasern nacheilen können, die es besonders schlimm treiben. In anderen Städten gibt es längst Fahrrad-Staffeln bei den Behörden. Das hiesige Ordnungsamt könnte schnell und kostengünstig nachrüsten. Schließlich versteigert es selbst regelmäßig Räder aus dem Fundbüro. Nee, das wäre sinnfrei: Mitarbeiter des Ordnungsamtes dürfen Radfahrer nicht kontrollieren – das darf nur die Polizei, wie Rometsch in seinem Artikel richtig schrieb. Nötig wäre also vielmehr eine Fahrradstaffel der Polizei. Aber warum soll die ausgerechnet Fußgänger in der Innenstadt gefährden?
Richtig witzig ist auch die Aufregung der Behindertenverbände über die Hinweisschilder zum Radfahrverbot: Sie seien herausgeworfenes Geld, weil doch wohl allen Verkehrsteilnehmern die Straßenverkehrsordnung bekannt sein sollte. Erstens wage ich das zu bezweifeln (und ich teste gerne das Wissen aller, die das Gegenteil behaupten) und zweitens: Was ist daran so schlimm, dieses (angebliche) Wissen in Erinnerung zu rufen?
Montag, 6. April 2009
...meint der Bundestagsabgeordnete Peter Hettlich (Bündnis 90/Die Grünen) im Interview mit der Leipziger InternetZeitung.
Insgesamt spricht er viele richtige Punkte an (z. B. den völlig überdimensionierten Ausbau der Friedrich-Ebert-Straße), aber es bleiben auch Fragen offen. So meint er: In der Radwegproblematik gibt es kein durchgehendes Konzept. Es wird nur reagiert. Placebo-Effekte. Es fehlt in Leipzig an einer grundlegenden Umstrukturierung dieser Verkehrsstruktur. Wie soll denn ein “durchgehendes Konzept” aussehen? Wenn es (straßenbegleitende) Radwege vorsieht, dann: Danke, nein, das wird nicht helfen. Peter Hettlich wird das als Mitglied im Petitionsausschuss wissen, wurde doch dort die Petition gegen die Radwegbenutzungspflicht behandelt. Aber welche Schlüsse zieht er aus der Anhörung im Ausschuss? Leider bleibt das im Interview unklar.
Als “Lichtblick” führt er lediglich die knapper werdenden Finanzen Leipzigs an: Das wird immer weniger. Zwanzig Jahre nach der friedlichen Revolution muss das endlich mal erkannt werden. Warten wir es doch mal ab, wenn diese Finanz- und Wirtschaftskrise vorbei ist. Wenn es kein Konjunkturprogramm II gibt. Was dann hier los ist, na dann gute Nacht. Dann werden uns die Mittel für das Essentiellste fehlen. Falls es überhaupt ausreicht unsere aufgeblähte Infrastruktur zu erhalten … Dann fehlt auch das Geld für eine richtige Umstrukturierung. Vielleicht zugunsten eines richtigen Fahrradnetzes in der Stadt. Dann vielleicht die Straßen als Radfahrmagistralen … Äh, ja: Platz auf den Fahrbahnen für Radfahrer nur dann, wenn der Belag dort so schlecht ist, dass Autos dort nicht mehr fahren können? Ich hoffe mal, dass ich das völlig falsch verstanden habe.
Montag, 16. März 2009
Aus der LVZ vom Samstag: Neun Personen kamen im Vorjahr auf Leipzigs Straßen bei 14 700 Verkehrsunfällen ums Leben, 2200 wurden zum Teil schwer verletzt. Diese Bilanz zog Polizeihauptkommissar Mario Gödt auf der Jahreshauptversammlung der Messestadt Verkehrswacht. Damit gab es zwar 2008 mit neun Todesopfern die geringste Anzahl im zurückliegenden Jahrzehnt, doch das seien eben immer noch neun zu viel gewesen, erklärt Gödt.
1999 verunglückten noch 23 Verkehrsteilnehmer in Leipzig tödlich, in den Jahren 2000 und 2001 jeweils 22 Männer und Frauen.
Besorgniserregend habe sich das Verhalten der Radfahrer entwickelt. „Sie waren allein an 1165 Unfällen beteiligt und verursachten 56,5 Prozent davon selbst“, so der Polizeihauptkommissar. Komisch, vor fast genau einem Jahr habe ich einen ähnlichen Artikel schon einmal zerpflückt. Dazugelernt hat seitdem anscheinend keiner der Beteiligten.
"Jedes Jahr aufs Neue: Radfahrer sind selbst schuld!" vollständig lesen
Samstag, 29. November 2008
Die Entscheidung über die Fortschreibung des Konzeptes Autoarme Innenstadt rückt immer näher: Am 17.12. sollen die Stadträte über eine Verwaltungsvorlage und mehrere Änderungsanträge entscheiden. Neben dem eigentlichen Anliegen, den Bereich innerhalb des Ringes autoärmer zu gestalten, geht es in der Verwaltungsvorlage auch darum, den Radverkehr zu reglementieren: In den Fußgängerzonen Peters-, Hain-, Nikolai- und Grimmaische Straße soll künftig zwischen 11 und 20 Uhr das Radfahren generell untersagt sein.
Diese Regelung unterstützen bis auf Bündnis 90 / Die Grünen alle im Stadtrat vertretenen Fraktionen, wie mephisto 97.6 im Laufe der Woche berichtete (und heute dann auch die LVZ). Die Grünen vertreten dabei eine realistische Sicht auf die Dinge, die auch hier schon häufiger dargelegt wurde: Radfahrer sind in Fußgängerzonen sowieso dazu verpflichtet, sich Fußgängern gegenüber extrem rücksichtsvoll zu verhalten. Diese Regel wurde bisher nur nie durchgesetzt und sie ist wohl auch ziemlich unbekannt… (siehe auch hier für weitere Ausführungen dazu). Mit einer vergleichbaren Argumentation haben sich jetzt auch mehrere Mobilitäts- und Umweltverbände an die Stadträte gewandt. In einem offenen Brief fordern ADFC, Ökolöwe, Klimaallianz Leipzig und der VCD die Stadträte dazu auf, gegen die unflexible Einschränkung des Radverkehrs in der Innenstadt zu stimmen.
Übrigens: CDU-Stadtrad Konrad Riedel hält diese Forderung für populistisch. Angesichts der realen Unfallzahlen (nur sehr wenige) und der dafür ziemlich hitzigen Aufregung in der hiesigen Lokalpresse frage ich mich, ob ausgerechnet der Vorschlag nicht eher das Gegenteil ist…
Donnerstag, 17. Juli 2008
Die CDU gibt nicht auf: Zum Thema Autoarme Innenstadt fährt sie jetzt schwere Geschütze auf. Sie würde das “Auto” in “Autoarm” gerne durch “Fahrrad” ersetzen. Das legt zumindest ein Artikel in der heutigen LVZ nahe (leider nicht frei zugänglich online). CDU-Stadträtin Sabine Heymann wird darin zitiert, dass nach ihrem Willen nicht nur in den Fußgängerzonen Peters-, Grimmaische- und Hainstraße, sondern auch in allen “touristisch relevanten Straßen” zwischen 11 und 20 Uhr das Radfahren untersagt werden soll.
So richtig eigenwillig wird diese Forderung, bedenkt man, dass Heymann weiter Autos in die Innenstadt lassen will: Für eine kurzfristige Erreichbarkeit müsse es “weiterhin eine hinreichende Zahl oberirdischer Kurzzeitparkplätze” geben. Da frage ich mich doch, was gefährlicher ist, was mehr stört: Fahrrad oder Auto?
Sollte Heymanns Forderung Realität werden, käme Leipzig dem Verkehrskollaps einen Schritt näher: Das Radfahren würde unattraktiver, der Radverkehrsanteil würde unter Umständen nicht weiter steigen. Damit gäbe es vermutlich mehr Autos, mehr Stau, mehr Umweltbelastung.
Und: Den Innenstadt-Händlern würde ein Teil der Kundschaft fehlen. Der kommt nämlich momentan noch mit dem Rad. Um’s nochmal zu wiederholen: Untersuchungen in anderen Städten haben ergeben, dass radfahrende Kunden zwar pro Einkauf weniger ausgeben, dafür aber öfter wiederkommen. Unterm Strich bringen sie Innenstadt-Händlern mehr Umsatz als Autofahrer.
Ein komplettes Radfahrverbot innerhalb des Ringes ist damit nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch unsinnig.
Mittwoch, 9. Juli 2008
Die LVZ hat heute eine Mini-Umfrage zum Thema Radfahren in den Fußgängerzonen der Innenstadt veröffentlicht. Die Überschrift lautet “Absteigen erwünscht” — allerdings äußert sich die Hälfte der sechs Befragten irgendwie differenzierter. Die drei 21- bis 24-Jährigen meinen nämlich, dass sie durchaus absteigen, wenn’s zu eng ist, sonst aber durch die Fußgängerzonen fahren. Und das ist doch genau das, worum es geht: Die Eigenverantwortung stärken und Flexibilität zulassen. Die Mehrzahl der Radfahrer verhält sich schon heute so, dass keine Fußgänger gefährdet oder behindert werden. Das bedeutet auch, dass notfalls eben geschoben wird.
Natürlich gibt es auch eine Kehrseite: Zwei der Befragten sagen, dass sie schonmal von Radfahrern angefahren worden (eine davon aber ein ganzes Stück von einer Fußgängerzone entfernt — auf einem Fußweg im Peterssteinweg). Ich behaupte aber immernoch, dass Idioten, die sowas machen, auch durch gesperrte Zonen rasen würden — den Fußgängern wäre also nicht geholfen. Warum deswegen die vielen vernünftigen Radfahrer bestrafen?
Was mir in diesem Artikel, aber auch sonst in der Diskussion auffällt: Vor allem ältere Menschen fürchten sich vor Radfahrern und haben überdurchschnittlich häufig schlechte Erfahrungen gemacht. Keine Ahnung, ob die Furcht übertrieben ist, aber Radfahrer sollten sie ernst nehmen, wenn sie auch künftig bequem durch die Innenstadt kommen wollen. Deswegen: Abstand zu Fußgängern! Schließlich wird man als Radfahrer ja auch nur ungern mit Nullabstand von Autos überholt.
Dienstag, 24. Juni 2008
CDU-Stadtrat Konrad Riedel hat der LVZ einen Leserbrief zum Thema Radfahren in der Innenstadt zukommen lassen. Darauf habe ich ihm die folgende Antwort geschickt:
Sehr geehrter Herr Riedel,
gerne möchte ich die Gelegenheit nutzen, auf Ihre “Hilferufe” zum Thema Radfahren in der Innenstadt einzugehen.
Verwaltung geht nicht auf Hilferuf ein Zu Plänen, das Radfahrverbot in der Leipziger Innenstadt aufzuheben:
Senioren verstehen nicht die Wende zu Gunsten der Radfahrer im Konzept autoarme Innenstadt. Ließ das ursprüngliche Konzept noch Hoffnung für Fußgänger, hat es jetzt den Anschein, dass die autoarme Innenstadt ausschließlich für Radfahrer geschaffen wird und das einzige, was noch stört, die Fußgänger sind. Diese Aussage ist falsch. Ein Großteil der Innenstadt wird Fußgängerzone bleiben. Selbst wenn dort das Radfahren gestattet werden sollte: Sie wären dort nur Gäste, die sich entsprechend zu verhalten haben. Die Straßenverkehrsordnung regelt das im Absatz zu Z. 242 eindeutig: Wird durch Zusatzschild Fahrzeugverkehr zugelassen, so darf nur mit Schrittgeschwindigkeit gefahren werden. Die Fahrzeugführer dürfen Fußgänger weder gefährden noch behindern; wenn nötig, müssen sie warten. Auf dieser Basis sehe ich keine erheblichen Nachteile für Fußgänger.
Eine Logik, die besagt, was man nicht in den Griff bekommt, gibt man lieber frei, weil Kontrolle eh unmöglich ist. Nein, so die Logik ist eine andere: Man gibt frei, weil sich ein Großteil der Radfahrer an die oben genannten Regeln hält. Diejenigen, die das nicht machen, wären auch von einem Radfahrerverbot nicht abzuschrecken. Das würde also nur die aussperren, die sich fußgängerkompatibel verhalten — das Problem der Rüpel-Radler bliebe bestehen.
Daneben gibt es weitere gute Gründe, die Fußgängerzonen generell für den Radverkehr freizugeben. Ich habe sie unter http://www.rad-le.de/artikel/68-Radfahren-in-der-Innenstadt.html zusammengefasst.
Das kann zu keiner für Fußgänger freundlichen Innenstadt führen. Leider geht die Verwaltung jetzt in keiner Weise auf die Hilferufe aus Senioren- und Behindertenbeirat der Stadt zum Thema Fußgänger und Radfahrer ein. Dieses Thema ist keineswegs nur ein Problem für Senioren und Menschen mit Behinderung, sondern auch für Eltern mit Kinderwagen, Touristen und so weiter. Wer da behauptet, es wären nur einige Wenige und die anderen würden schon Schritt fahren, geht an der Realität vorbei und sollte des öfteren als Fußgänger Peters-, Hain- oder Grimmaische Straße benutzen. Sie können sicher sein, dass ich das mache. Gefährlich fahrende Radfahrer fallen mir trotzdem nur selten auf, obwohl ich extra darauf achte.
Dennoch sollte die Polizei eine stärkere Präsenz in den Fußgängerzonen zeigen und diejenigen zur Verantwortung ziehen, die gegenüber Fußgängern rücksichtslos sind. Das wäre aber auch nötig, um ein völliges Radfahrverbot in den Fußgängerzonen durchzusetzen.
Dann würde man sicher auch als Rad fahrender Oberbürgermeister ein Herz für Fußgänger entdecken und nach Lösungen suchen, die die Anliegen beider Gruppen gleichberechtigt berücksichtigen. Ich finde, dass die Freigabe der Fußgängerzonen auf Basis der StVO die Anliegen beider Gruppen gleichberechtigt berücksichtigt: Radfahrern wird Rücksichtnahme explizit auferlegt, Fußgänger sind und bleiben also die “Hauptpersonen”.
Radfahrfreigaben halte ich außerdem auch für Senioren für besonders attraktiv: Ohne müssten sie ihr Rad entweder schieben oder weite Wege zu Fuß zwischen Geschäft und Abstellplatz in Kauf nehmen. Das halte ich nicht für erstrebenswert.
Freitag, 9. Mai 2008
... zum Thema Rüpel-Radler gibt es momentan im Forum der hiesigen Monopol-Lokalzeitung zu bewundern. Da wäre zum Beispiel der Thread über “die lieben Radfahrer“, den irgendjemand aus der verdienten Versenkung geholt hat. Allerdings musste auch der Faden über die autoarme Innenstadt dran glauben: Statt um die Frage, was Autos in der Innenstadt zu suchen haben, wird vornehmlich darüber diskutiert, was manche Radfahrer so falsch machen. Und das ohne tiefere Kenntnisse der Verkehrsregeln. Vielleicht mal ein bisschen Nachhilfe über die Verkehrsregeln in Fußgängerzonen: Wird durch Zusatzschild Fahrzeugverkehr zugelassen, so darf nur mit Schrittgeschwindigkeit gefahren werden. Die Fahrzeugführer dürfen Fußgänger weder gefährden noch behindern; wenn nötig, müssen sie warten. (§ 41 Abs. 5 StVO; Z. 242 & 243)
In Fußgängerzonen dürfen Radfahrer also nur dann fahren, wenn sie per Schild freigegeben sind. Das ist bei den meisten Fußgängerzonen in der Innenstadt der Fall, teilweise aber mit einer zeitlichen Begrenzung. Der zitierte Abschnitt der Straßenverkehrsordnung gilt auch für Radfahrer: Sie dürfen also nur mit Schrittgeschwindigkeit fahren und keinesfalls Fußgänger gefährden oder behindern. Wenn die Polizei wollte, könnte sie also ohne weiteres gegen Rüpel-Radler in Fußgängerzonen vorgehen. Ich habe allerdings den Eindruck, dass die entsprechende Regel selbst bei der Verkehrspolizei unbekannt ist (zumindest ist das mein Fazit aus dem ADFC-Dialog am 5. Februar).
Wie auch immer: Eigentlich ist das eine Scheindiskussion, bei der es mehr um persönliche Befindlichkeiten als um wirkliche Gefahren geht. Wo sind denn die vielen Unfälle, die rüpelhafte Radfahrer angeblich ständig verursachen? Weitaus mehr Unfälle passieren auf Radwegen… Damit will ich rasende Fußgängerzonen-Radfahrer nicht in Schutz nehmen — ich mag die auch nicht, weil ich mich ebenso erschrecke, wenn sie mit (zu wenig) Abstand mit (zu viel) Tempo an mir vorbeifahren. Wen das wirklich stört, der sollte sich bei der Polizei dafür einsetzen, dass die entsprechenden Radfahrer zur Verantwortung gezogen werden. Alle anderen Radfahrer sollten in Ruhe und Schrittgeschwindigkeit durch die innerstädtischen Fußgängerzonen fahren dürfen: Es geht darum, das Radfahren in Leipzig so attraktiv wie möglich zu machen. Eine gut erreich- und durchfahrbare Innenstadt gehört dazu.
Und wo ich gerade dabei bin: Die eigentlichen Störenfriede in der Innenstadt sind tatsächlich dieviele Autofahrer: Die parken, wo sie wollen, nur nicht in den Tiefgaragen. Die fahren schneller, als erlaubt (nämlich innerhalb des Rings 20 km/h!) und nehmen auf Radfahrer keine Rücksicht. Abgesehen davon, dass Autos stinken und unnötig viel Platz wegnehmen.
Warum ich das alles nicht ins LVZ-Forum schreibe? Ganz einfach: Weil ich keine Lust habe, mich dort extra anzumelden.
Dienstag, 11. März 2008
Günther Gießler hat in der gestrigen Ausgabe der LVZ erneut unter Beweis gestellt, dass er von Verkehrssicherheit und vor allem Unfallstatistik wenig Ahnung hat. Wirklich verwunderlich ist diese Unkenntnis nicht, liest man den folgenden Abschnitt des Artikels: Hauptkommissar Mario Gödt von der Polizeidirektion Leipzig kritisierte dabei das Fehlverhalten der Radler gleichermaßen wie jenes der Autoraser. So waren 2007 fast an jedem zwölften Unfall Radfahrer beteiligt. „Allein 650 mal als Opfer, etwa 500 mal verursachten sie die Kollisionen selbst“, so Gödt. 70 mal stießen Radfahrer mit Radfahrern zusammen. Für den Polizeihauptkommissar völlig unverständlich, dass in Leipzig der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) diese Unfälle aus der Statistik streichen wolle. Offensichtlich sei auch hier das Rechtsbewusstsein ungenügend ausgeprägt. Ein Polizeibeamter wirft dem ADFC also mangelndes Unrechtsbewusstsein vor, weil der Verein sich gegen eine bestimmte Interpretation der Unfallstatistik wehrt.
"Statistikverständnis ungenügend ausgeprägt" vollständig lesen
Donnerstag, 31. Januar 2008
Vorgestern war es wieder soweit: Die Polizei kontrollierte Radfahrer, diesmal in der Innenstadt: Beamte des Polizeireviers Mitte und der Verkehrspolizeidirektion bezogen in der Harkortstraße Position und kontrollierten 87 Radfahrer, berichtete die LVZ gestern (online leider nicht frei zugänglich verfügbar). Dabei wurden 24 Mängelscheine und 15 Verwarnungen ausgestellt. Außerdem wurde ein Radfahrer erwischt, als er über eine rote Ampel fuhr.
Im Zeitungsartikel wird eine Polizeisprecherin zitiert, die die StVO zu arg verkürzt darstellt. Sie sagt: Auch Leuchten, die nur zeitweise am Fahrrad befestigt werden, sind stets mitzuführen. Das ist zwar richtig, kein Wort gibt es aber dazu, dass Leuchten, die nur zeitweise am Fahrrad befestigt werden, nur bei Rennrädern mit einem Gewicht unter 11 kg zugelassen sind.
Nicht ganz richtig ist auch die folgende Behauptung. Im Artikel heißt es: Ebenfalls ein Schwerpunkt der gestrigen Polizeiaktion: Radfahrer mit Kopfhörern. „Das ist eindeutig verboten“, stellte Reiche klar. Das ist eben nicht eindeutig verboten. In § 23 Abs. 1 Satz 1 StVO heißt es aber nur: Der Fahrzeugführer ist dafür verantwortlich, daß seine Sicht und das Gehör nicht durch die Besetzung, Tiere, die Ladung, Geräte oder den Zustand des Fahrzeugs beeinträchtigt werden. D. h.: Solange man offene Kopfhörer verwendet und die Musik nicht so laut aufdreht, dass man Umgebungsgeräusche kaum noch wahrnimmt, sind Kopfhörer in Ordnung. Ansonsten müsste nämlich Autofahrern verboten werden, wärend der Fahrt das Autoradio anzuschalten. Ach was, ihnen müsste sogar verboten werden, mit geschlossenen Fenstern zu fahren. Eine Autokarosserie dämpft Außengeräusche nämlich so stark, dass z. B. eine Fahrradklingel nicht mehr gehört werden kann — und damit stärker, als Musikhören mit moderater Lautstärke und offenen Kopfhörern auf dem Fahrrad.
Freitag, 18. Januar 2008
Günther Manhart aus Leipzig ist entsetzt: Der ADFC will, dass an Fußgängerzonen Hinweisschilder aufgestellt werden, dass Radfahrer vorsichtig fahren müssen. In einem Leserbrief an die LVZ schreibt er: Ich bin entsetzt darüber, wie ein Vorsitzender des Fahrrad-Clubs dafür kämpft, dass in Fußgängerzonen oder -bereichen mit der Zusatzbeschilderung „Bitte vorsichtig fahren – Fußgänger haben Vorrang!“ den Fahrbetrieb seiner Klientel weiterhin ermöglichen will. Die Vorschriftszeichen der Straßenverkehrsordnung und deren Textbedeutung sind ja mit Sicherheit auch für Vorsitzende in „Blindenschrift“ und leicht begreifbar nachzulesen! Nochmal für Herrn Patzer: „Diese Bereiche sind den Fußgängern vorbehalten!“ Hoffentlich fängt das Ordnungsamt nicht auch noch Verhandlungen mit solchen Querflöten an. Günther Manhart hat anscheinend das Lesen gleich nach dem von ihm zitierten Satz aufgegeben. Zwei Sätze weiter wird nämlich ausgeführt, dass durch ein Zusatzschild Fahrzeugverkehr zugelassen werden darf. Der muss dann aber Schrittgeschwindigkeit fahren und darf Fußgänger weder gefährden noch behindern. Die meisten Fußgängerzonen der Innenstadt sind mit solchen Zusatzschildern für Radfahrer freigegeben, nur bei einigen Zonen gibt es zeitliche Einschränkungen.
Die Hinweisschilder zum Vorrang von Fußgängern geben demnach nur die Textform der Straßenverkehrsordnung wieder – der ADFC versucht also, “seine Klientel” an die Verkehrsregeln zu erinnern. Genau das ist es doch, was derzeit in zahlreichen Leserbriefen in der LVZ gefordert wird…
Donnerstag, 10. Januar 2008
Über die Leserbriefe in der LVZ zum Thema rüpelhafte Radfahrer hatte ich ja schon berichtet. Heute wurde das Thema erneut redaktionell aufgegriffen. Andreas Tappert fabuliert über die Idee, eine Kennzeichenpflicht für Fahrräder einzuführen (der Artikel ist leider online nicht frei zugänglich). Die hätten “Leipziger” gefordert; zwei von ihnen werden auch gleich zitiert. Nummernschilder seien nötig, weil Radfahrer nur deswegen rüpelhaft sind, weil sie eh nicht erwischt werden können.
Mir nötigt das nur ein gequältes Lächeln ab — wenn Kennzeichen wirklich Verkehrsverstöße verhindern würden, gebe es keine Falschparker, keine Temposünder, keine unfallflüchtigen Autofahrer, ...
"Radfahrer im Visier: Kennzeichenpflicht jetzt!" vollständig lesen
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