Unter dem Motto “Wir sind der Verkehr” sollen sich am Mittwoch kommender Woche (28.10.) möglichst viele Menschen für ein fahrradfreundlicheres Leipzig einsetzen. Zu der Fahrraddemo hat die auf Initiative des Uni-StuRas tätige Fahrradaktionsgruppe aufgerufen. An ihr sind neben dem StuRa-Referat für nachhaltige Mobilität unter anderem der VCD, der Ökolöwe und die Greenpeace-Gruppe Leipzig beteiligt.
Die Demo beginnt um 15:30 Uhr am Connewitzer Kreuz vor dem Werk II. Für 16:00 Uhr ist eine Kundgebung auf dem Leuschnerplatz geplant und gegen 17:00 Uhr soll vor dem Neuen Rathaus dem Leipzig Stadtrat ein Offener Brief übergeben werden:
Offener Brief an den Leipziger Stadtrat:
Sehr geehrte Abgeordnete des Leipziger Stadtrats,
FahrradfahrerInnen sind ein wichtiger und unübersehbarer Teil des täglichen Verkehrs in Leipzig. Zum einen gibt es in der Stadt bereits eine große Gruppe Menschen, die das Fahrrad regelmäßig nutzen, zum anderen gibt es zahlreiche Gründe, die dafür sprechen, das Fahrrad für noch mehr Menschen attraktiv zu machen: Das Fahrrad ist neben den eigenen Füßen das ökologischste Fortbewegungsmittel, es trägt zum Umwelt- und Klimaschutz bei und sollte daher als wichtiger Aspekt zur Erreichung lokaler und bundesweiter Klimaziele wahrgenommen werden. Darüber hinaus ist das Fahrrad platzsparender, leiser und verursacht wesentlich geringere Kosten für die Allgemeinheit als das Auto. Das Gefahrenpotential, das von einem/r FahrradfahrerIn ausgeht, ist zudem wesentlich kleiner als das einer/s motorisierten MitbürgerIn. Damit trägt die Benutzung eines Fahrrades in hohem Maße zu einem lebenswerten Leipzig bei.
Trotz all dieser Vorteile, die der Radverkehr für die Stadt und alle hier lebenden Menschen hat, werden FahrradfahrerInnen im Straßenverkehr häufig gegenüber AutofahrerInnen benachteiligt. Wir fordern deshalb:
- Langfristig die vollständige Gleichstellung von FahrradfahrerInnen gegenüber dem motorisierten Individualverkehr in Leipzig. Hierfür muss ein umfassendes Radfahrkonzept für die Stadt Leipzig erstellt und umgesetzt werden.
- Kurzfristig die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur für FahrradfahrerInnen, was Sicherheit, Fahrkomfort und direkte Erreichbarkeit angeht. Zur Verbesserung der Gesamtsituation schlagen wir die sofortige Umsetzung folgender Maßnahmen vor:
- Die Umwandlung der Karl-Liebknecht-Straße und des Peterssteinwegs in eine Fahrradstraße mit eingeschränkter Zufahrt für Kraftfahrzeuge. Verzicht auf Park- und Haltemöglichkeiten für Kraftfahrzeuge
- Die vollständige Aufhebung des Fahrradverbots in der Innenstadt oder die explizite Ausschilderung von äquivalenten Ausweichrouten speziell für FahrradfahrerInnen, z.B. in Form von Fahrradstraßen
- Schaffung eines durchgehenden Fahrradrings auf beiden Seiten des Innenstadtrings
- Einrichtung eines beidseitigen Fahrradstreifens auf der Käthe-Kollwitz-Straße, dafür konsequente Einschränkung des Motorisierten Individualverkehrs auf einen Fahrstreifen pro Richtung
- Kennzeichnung des jeweils rechten Park- und Fahrstreifens in einen Radfahrstreifen auf der Jahnallee zwischen Leibnizstraße und Waldplatz (innere Jahnallee)
- Schnelle Umsetzung des Umbaus und damit der Schaffung eines Radfahrstreifens auf der gesamten Länge der Könneritzstraße, dafür konsequente Beschränkung des Autoverkehrs auf einen Fahrstreifen und Verzicht auf seitliche Park- und Haltemöglichkeiten
- Öffnung der Nürnberger Straße für Fahrräder in Gegenrichtung sowie die Schaffung beidseitiger Fahrradstreifen
- Schaffung einer sicheren Querungsmöglichkeit, zum Beispiel durch eine Lichtsignalanlage an der Ecke Harkortstraße/Beethovenstraße für FahrradfahrerInnen und FußgängerInnen sowie Öffnung der Straße des 17. Juni in Gegenrichtung für RadfahrerInnen
- Einrichtung eines beidseitigen Fahrradstreifens auf der gesamten Länge der Harkortstraße, dafür konsequente Beschränkung des Autoverkehrs auf einen Fahrstreifen pro Richtung
- Schaffung eines beidseitigen Radfahrstreifens auf der Arthur-Hoffmann-Straße, dafür konsequente Beschränkung des Autoverkehrs auf einen Fahrstreifen pro Fahrtrichtung
- Die Einführung eines eigenen Titels im städtischen Haushalt für die Förderung des Radverkehrs. Der Anteil dieses Titels an den Gesamtausgaben im Bereich Verkehr soll dem Anteil der FahrradfahrerInnen (14,4 %) am gesamten Verkehrsaufkommen in Leipzig entsprechen. Davon soll die Hälfte für eigenständige Radverkehrsanlagen, Abstellplätze, die Instandsetzung von bestehenden Radwegen, Öffentlichkeitsarbeit pro Rad und Wegweisung aufgewendet werden.
- Der Leipziger Stadtrat soll sich für eine Änderung der Straßenverkehrsordnung einsetzen, so dass die Höchstgeschwindigkeit auf allen Straßen innerhalb des Stadtgebiets auf 30 km/h gesenkt werden darf.
Mit freundlichen Grüßen,
Leipziger FahrradfahrerInnen
Der Brief kann von jedem online unterzeichnet werden.
Mein Senf zu den Forderungen: Die Punkte 1 und 4 kann ich ohne Einschränkungen unterschreiben. Mit Punkt 3 habe ich etwas Bauchschmerzen, weil dennoch einiges an Geld für (prinzipiell) gefährliche Radwege übrig bleibt. Und zu Punkt 2:
Weshalb ich nichts von Radstreifen halte, habe ich ja gerade erst geschrieben. Immerhin gehen die Forderungen soweit, die Umwandlung kompletter Fahrstreifen zu fordern – so umgesetzt, hätten die Radstreifen wenigstens eine angemessene Breite. Allein: Ich glaube nicht an Wunder…
Dennoch lohnt die Unterzeichnung, um zu unterstreichen, dass die Prioritäten in Leipzigs Verkehrspolitik anders gesetzt werden müssen. Immerhin wird die Mehrzahl der Wege in Leipzig nicht mit Autos zurückgelegt, sondern zu Fuß, per Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln.