Weil ich nicht immer über Unfälle schreiben will, mal ein etwas anderes Thema, das ich schon mal kurz angerissen hatte: Die Stadt arbeitet momentan an einer Weiterentwicklung des Konzeptes zur autoarmen Innenstadt. Damit soll der Verkehr in der Innenstadt (weiter bzw. wieder) beruhigt werden.
Wesentliche Neuerung ist eine Aufteilung der Innenstadt in vier Sektoren. Kraftfahrzeuge dürfen sich nur innerhalb dieser Sektoren bewegen; zu einem anderen Sektor kommen sie nur, wenn sie aus der Innenstadt auf den Ring fahren. Damit soll Durchgangsverkehr unterbunden werden.
Radfahrer betrifft diese Änderung nicht. Aber auch für sie sind Einschränkungen vorgesehen: Stark “belaufene” Fußgängerzonen sollen künftig nur noch zwischen 20 und 11 Uhr für den Radverkehr freigegeben sein. Dazu gehören auf jeden Fall die Petersstraße und die Grimmaische Straße.
Ich halte das aus mehreren Gründen für einen Irrweg:
- Das Verbot ist unangemessen. In Fußgängerzonen sind Radfahrer immer nur Gäste. Sie müssen deshalb laut StVO Schrittgeschwindigkeit fahren und dürfen Fußgänger weder gefährden noch behindern. Es gibt deshalb keinen Grund, Radfahrer am Nachmittag aus den Fußgängerzonen auszuweisen. Radfahrer, die sich an diese Regeln nicht halten, werden auch von einem Verbot nicht abgeschreckt werden. Sie sollten so oder so von Polizei und/oder Ordnungsamt zur Rechenschaft gezogen werden.
- Das Verbot ist nicht durchzusetzen. Es ist zu erwarten, dass sich nur wenige Radfahren daran halten werden. Das hat auch seinen Grund, denn
- Das Verbot macht den Radverkehr unattraktiv. Viele Radfahrer orientieren ihre Streckenwahl an der Weglänge. Kurze Wege sind deshalb ein Muss. Deshalb sollte es für Radfahrer Möglichkeiten geben, die Innenstadt direkt von West nach Ost und von Süden nach Norden zu durchqueren. Für die Nord-Süd-Richtung gibt es mit dem Neumarkt eine attraktive Verbindung. In Ost-West-Richtung steht aber wegen der dichten Bebauung nur die Grimmaische Straße zur Verfügung.
- In der Innenstadt liegen viele Ziele für Radfahrer. Radfahrer fahren nicht nur durch, sondern auch in die Innenstadt. Zum Beispiel, um einzukaufen. Übrigens: Radfahrer kaufen zwar meist nicht für so viel Geld ein, wie Menschen, die mit dem Auto anreisen. Dafür kommen sie öfter — und geben so insgesamt mehr Geld aus (das können sie übrigens auch deshalb, weil Rad- deutlicher preiswerter als Autofahren ist
). Es liegt also auch im Interesse der Geschäftsinhaber, die Innenstadt möglichst attraktiv für Radfahrer zu halten.
Persönlich wäre ich vom geplanten Radfahrverbot kaum betroffen: Ich meide Fußgängerzonen, so gut es geht und nehme dafür auch Umwege in Kauf. Aber ich will ja auch möglichst schnell von A nach B kommen — da zählt nicht der Weg, sondern die nötige Zeit.
Momentan ist der Konzeptentwurf zur autoarmen Innenstadt in einer Art Anhörungsphase: Verbände wie
ADAC und
ADFC sollen dazu Stellung nehmen. Ich finde, die Leipziger Blogger und Internetnutzer können das ruhig auch machen: Was haltet ihr von den Vorschlägen? Wie und wo bewegt ihr euch mit dem Fahrrad in der Innenstadt? Wollt ihr Fußgängerzonen durchfahren?
Das Leipziger Radio mephisto 97.6 berichtet, dass die Fußgängerzonen Grimmaische, Nikolai-, Peters- und Hainstraße von 11 bis 20 Uhr für Radfahrer gesperrt werden sollen (einen ähnlichen Artikel hat auch die LVZ zu bieten). Die Rathausspitze folgt da
Aufgenommen: Okt 22, 12:14
Die Entscheidung über die Fortschreibung des Konzeptes Autoarme Innenstadt rückt immer näher: Am 17.12. sollen die Stadträte über eine Verwaltungsvorlage und mehrere Änderungsanträge entscheiden. Neben dem eigentlichen Anliegen, den Bereich innerhalb des
Aufgenommen: Nov 29, 15:18