Günther Gießler hat in der gestrigen Ausgabe der LVZ erneut unter Beweis gestellt, dass er von Verkehrssicherheit und vor allem Unfallstatistik wenig Ahnung hat. Wirklich verwunderlich ist diese Unkenntnis nicht, liest man den folgenden Abschnitt des Artikels:
Hauptkommissar Mario Gödt von der Polizeidirektion Leipzig kritisierte dabei das Fehlverhalten der Radler gleichermaßen wie jenes der Autoraser. So waren 2007 fast an jedem zwölften Unfall Radfahrer beteiligt. „Allein 650 mal als Opfer, etwa 500 mal verursachten sie die Kollisionen selbst“, so Gödt. 70 mal stießen Radfahrer mit Radfahrern zusammen. Für den Polizeihauptkommissar völlig unverständlich, dass in Leipzig der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) diese Unfälle aus der Statistik streichen wolle. Offensichtlich sei auch hier das Rechtsbewusstsein ungenügend ausgeprägt.
Ein Polizeibeamter wirft dem
ADFC also mangelndes Unrechtsbewusstsein vor, weil der Verein sich gegen eine bestimmte Interpretation der Unfallstatistik wehrt.
Aber langsam — worum geht es eigentlich? In der Statistik wird nicht nur erfasst, mit was für einem Fahrzeug (Fahrrad, Auto, LKW, zu Fuß...) die Beteiligten unterwegs waren, sondern auch, wer den Unfall verursacht hat. Herr Gödt nimmt jetzt alle Unfälle, an denen Radfahrer beteiligt waren und sieht sich an, wie viele dieser Unfälle von Radfahrern verursacht worden. Diese Information ist aber nutzlos, weil die Gesamtzahl der Unfälle betrachtet wird. Da sind auch Alleinunfälle und solche zwischen Radfahrern dabei — und in diesen Fällen ist immer ein Radfahrer Schuld, die Verursacherquote beträgt also unglaubliche 100 Prozent. Das treibt die “Verursacherquote” natürlich auch nach oben, wenn alle Unfälle betrachtet werden. Das lässt sich selbst beim Automatischen Schuldzuweiser anschaulich nachrechnen.
Viel informativer ist es, die Verursacherquote nur bei den Unfällen zu betrachten, bei denen verschiedene Verkehrsmittel aufeinander trafen. Und spätestens dann wird deutlich: Radfahrer sind — auch in Leipzig — meist Unfallopfer und nicht -verursacher.
Zudem ist die Zahl der Unfälle von Radfahrern im Vergleich zu ihrem Verkehrsanteil gering: Wenn bei jedem zwölften Unfall Radfahrer beteiligt waren, ist das ein Anteil von etwa 8,3 Prozent. Vor fünf Jahren lag der Radverkehrsanteil bei 12,6 Prozent — und er ist seitdem vermutlich nicht wesentlich gesunken. Damit sind in Leipzig Radfahrer seltener an Unfällen beteiligt, als ihrem Verkehrsanteil gemäß zu erwarten wäre.
Weiter im LVZ-Artikel-Zerpflücking. Günther Gießler schreibt:
An der Einmündung des Cottaweges in die Jahnallee habe es in den zurückliegenden drei Jahren allein 75 Karambolagen mit Radfahrern gegeben. „Wir wollen jetzt an diesem Konfliktpunkt etwas verändern“, kündigte Gödt an.
Hübsch. Da wird ein wesentliches Sicherheitsproblem für Radfahrer angesprochen, aber nicht beim Namen genannt: Radwege und die mit ihnen verbundenen Konflikte an Kreuzungen und Einmündungen. Gerade der Cottaweg ist ein Paradebeispiel dafür, wie man’s nicht machen sollte: Dort ist ein gemeinsamer Fuß- und Radweg, der zudem relativ breit ist. Nah an der Fahrbahn kann man als Radfahrer nicht fahren, weil Lichtmasten im Weg sind. Also ist man richtig schön außerhalb des Wahrnehmungsbereiches der Autofahrer unterwegs. Das auch mit einigem Tempo, weil es leicht abwärts von einer Brücke herunter geht. Denkt man sich jetzt noch die an dieser Stelle zahlreich auftretenden Geisterradler dazu, wird klar, warum es vermehrt Unfälle gibt.
Die Lösung an dieser Stelle ist aber einfach: Den Radweg nicht benutzen. Das ist dort sogar legal möglich: Auf der Brücke ist der Radweg nicht benutzungspflichtig, weil es nur ein freigegebener Fußweg ist. Danach gibt es vor der Einmündung Cottaweg aber keine Möglichkeit mehr, auf den wieder benutzungspflichtigen Radweg aufzufahren. Die Fahrbahnnutzung ist wegen der zwei Richtungsfahrstreifen zu den meisten Tageszeiten völlig unproblematisch — wie ich regelmäßig erfahren darf.
Aus der LVZ vom Samstag:Neun Personen kamen im Vorjahr auf Leipzigs Straßen bei 14 700 Verkehrsunfällen ums Leben, 2200 wurden zum Teil schwer verletzt. Diese Bilanz zog Polizeihauptkommissar Mario Gödt auf der Jahreshauptversammlung der Messestadt Verkeh
Aufgenommen: Mär 16, 19:14