Die Verkehrsunfallstatistik für Radfahrer im Jahr 2008 war hier schon mal Thema. Jetzt hat mir die Polizeidirektion ein paar detailliertere Zahlen, zur Verfügung gestellt. Allerdings wurde mit der Auswertung nicht am Jahresanfang begonnen, so dass nur 981 der 1156 Unfälle im gesamten Jahr in die Betrachtung eingeflossen sind. Dennoch sind Schlüsse möglich. Hier erstmal die rohen Daten:
| Unfälle… | absolut | relativ |
|---|
| gesamt | 981 | 100% |
| bei der Benutzung von Geh- oder Radwegen (egal ob zulässig oder nicht) | 295 | 30,1% |
| bei der zulässigen Benutzung von linken Radwegen | 112 | 11,4% |
| bei der rechtswidrigen Benutzung von linken Radwegen | 51 | 5,2% |
| bei der Benutzung von Rad- oder Schutzstreifen | 62 | 6,3% |
| durch Vorfahrtsverletzungen | 233 | 23,8% |
| beim Einfahren in den fließenden Verkehr | 110 | 11,2% |
| durch zu geringen seitlichen Abstand beim Überholen | 33 | 3,4% |
| durch plötzlich geöffnete Fahrertüren von Autos | 49 | 5,0% |
| durch plötzlich geöffnete Beifahrertüren von Autos | 4 | 0,4% |
| durch Auffahren auf ein stehendes Fahrzeug oder anderes Hindernis | 91 | 9,3% |
Aus den Zahlen geht leider nicht hervor, ob die einzelnen Unfälle auch mehrfach gezählt wurden. Dennoch ist zu erkennen, dass ziemlich viele Unfälle mit Radfahrerbeteiligung auf Radverkehrsanlagen oder Fußwegen passiert sind, obwohl es bei weitem mehr Straßen ohne als mit Radweg gibt. Auch die recht häufige Unfallursache “Einfahren in den fließenden Verkehr” steht — meiner Meinung nach — häufig im Zusammenhang mit Radwegen bzw. ihren Enden.
Interessant sind die Zahlen zu den linksseitigen Radwegen: In Leipzig passieren weniger Unfälle durch illegales Geisterradeln als durch legales. Für mich ein klares Argument dafür, die linksseitigen Radwege in Leipzig abzuschaffen.
Wie sieht es aber mit der von vielen Menschen befürchteten Gefahr auf der Fahrbahn aus? Nur 3,4 Prozent der Radfahrer-Unfälle passierten, weil ein Autofahrer mit zu wenig Abstand überholte. Das ist etwa ein Zehntel der Unfälle auf Geh- oder Radwegen! Etwas häufiger sind plötzlich geöffnete Autotüren Unfallursache. Eine Gefahr, der sich durch ausreichenden Abstand gut selbst begegnen lässt. Wesentlich häufiger führen Vorfahrtsverletzungen zu Unfällen (23,8%). Dagegen helfen die
Zehn Gebote des sicheren Radfahrens.
Fazit: Radwege sind keineswegs sicherer als die Nutzung der Fahrbahn. Sie bieten vielleicht subjektive, aber keine objektive Sicherheit. Auch das Ausweichen auf Fußwege hilft nicht gerade, Unfälle zu vermeiden.